Markup-Sprachen versus WYSIWYG

Vergleich von WYSIWYG-Editoren und Auszeichnungssprachen: Entdecken Sie die Vorteile beider Konzepte für Ihre Projekte und wählen Sie das passende Werkzeug.

In diesem Blogartikel vergleichen wir WYSIWYG-Editoren mit Auszeichnungssprachen. Dabei gehen wir kurz auf deren Ursprünge ein und erläutern dann ihre jeweiligen Vorteile. Interessiert Sie der direkte Vergleich verschiedener Auszeichnungssprachen? Dann schauen Sie gerne bei unserem Vergleich von AsciiDoc mit Markdown, LaTeX und reStructuredText vorbei.

Eines Vorab: Wir suchen hier nicht nach dem schweizer Taschenmesser der Textverarbeitungsprogramme. Jedes Konzept hat einen eigenen Nutzen und Einsatzbereich. Unser Ziel ist es diese Nutzen gegenüberzustellen, damit Sie für Ihr nächstes Projekt mit dem richtigen Werkzeug gewappnet sind.


Was ist WYSIWYG?

WYSIWYG steht für "What You See Is What You Get". Das bedeutet, Ihr Text sieht so aus wie in der Ausgabe - beispielsweise im Druck oder digital als PDF. Die Formatierung wird im Editor direkt auf alle Texte, Bilder und weitere Elemente übertragen. Bekannte Beispiele für WYSIWYG Editoren sind Microsoft Word, Google Docs und Apple Pages.

Der Begriff entstand - wie so viele technische Innovationen - im Xerox PARC. Das Palo Alto Research Center (PARC), war das Forschungszentrum des Druckerherstellers Xerox. Sie entwickelten den ersten WYSIWYG-Editor namens Bravo für den Xerox Alto, den ersten Computer mit grafischer Nutzeroberfläche. Dank dieser Erfindung konnten Nutzer Texte vor dem Ausdrucken auf dem Bildschirm anzeigen lassen. Dennoch konnte diese Lösung kein "echtes WYSIWYG" garantieren. Auf dem Bildschirm konnte nicht exakt das dargestellt werden, was später ausgegeben wurde. Das lag daran, dass die Auflösung der Drucker mit 300 DPI von den 72-PPI-Zeichensätzen des Xerox Alto abwich.

Das erste "echte WYSIWYG" kam mit MacWrite und MacPaint, den ersten Text- und Bildverarbeitungsprogrammen von Apple. Der Bildschirm des Apple Macintosh verfügte über eine Auflösung von 72 PPI. Apples ImageWriter II Drucker hatten derweil eine Auflösung von 144 DPI. Es war ein Leichtes, die Bildschirm-Auflösung für den Drucker zu verdoppeln und dadurch ein exaktes Ebenbild abzudrucken. Lange blieb das echte WYSIWYG jedoch nicht bestehen. Mit Einführung der Laserdrucker kam es erneut zu unterschiedlichen Auflösungen.

Was sind Auszeichnungssprachen?

Auszeichnungssprachen, auch Markup-Sprachen genannt, sind Maschinensprachen. Sie beschreiben einen Text, damit Computer ihn in Struktur und Format verstehen können. Ursprünglich stammt der Begriff "Auszeichnung" aus der Druckersprache. Autoren markierten den Text handschriftlich, um auf Textstellen hinzuweisen, die anders gestaltet werden sollten. So konnten beispielsweise bestimmte Worte in einer anderen Farbe oder Schriftgröße dargestellt werden. Demnach wiesen Auszeichnungen den Schriftsetzer darauf hin, wie die Druckvorlage erstellt werden sollte. In der digitalen Typographie werden Auszeichnungen durch Tags dargestellt. Diese Tags dienen dem Computer als Anweisung, wie einzelne Elemente in Struktur und Format zu gestalten sind.

Man unterscheidet bei Auszeichnungssprachen zwischen der Ansicht als Quelltext im Editor und dem formatierten Text in der Ausgabe. Sie schreiben Ihren Text im Editor. Anders als bei WYSIWYG ist Ihr Text an dieser Stelle noch nicht formatiert, sondern wird erst in der Vorschau oder Ausgabe formatiert angezeigt. Diese Trennung von Struktur (im Editor) und Darstellung (in der Ausgabe) ist der Grundpfeiler von Auszeichnungssprachen. Aus diesem Grund werden sie auch gerne mit dem Kürzel WYSIWYM für "What you See is What you Mean" beschrieben.

Beispiele für Auszeichnungssprachen

IBMs Beschreibungssprache GML (Generalized Markup Langauge) wurde von Charles Goldfarb, Ed Mosher und Ray Lorie entwickelt und gilt als die erste Auszeichnungssprache. Aus ihr entstand später die nach ISO-Norm standardisierte SGML (Standard Generalized Markup Language). Aus diesem Standard entstanden viele Auszeichnungssprachen. Bekannte Vertreter sind:

  • HTML (Hypertext Markup Language): Die Kernsprache des World Wide Webs. HTML wird verwendet, um die Struktur von Webseiten zu definieren.

  • XML (Extensible Markup Language): XML wird oft für den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Systemen verwendet.

  • DocBook: DocBook konzentriert sich auf die Strukturierung und Formatierung von Dokumentationen. Die Sprache ermöglicht es Autoren, technische Inhalte wie Handbücher, Anleitungen und technische Berichte zu erstellen und zu organisieren.

  • LaTeX: LaTeX wird häufig in der akademischen Welt verwendet, insbesondere für wissenschaftliche Dokumente, Forschungsarbeiten, Berichte und Bücher. Es ermöglicht die Erstellung hochwertiger typografischer Dokumente durch die Verwendung von Makros und Befehlen, um Layout, Formatierung und mathematische Ausdrücke genau zu kontrollieren.

Ferner wurden mit der Zeit "vereinfachte" Auszeichnungssprachen entwickelt, die kürzere Tags nutzen. Dadurch ermöglichen Sie einen leichten Einstieg und bleiben im Quelltext wesentlich besser lesbar. Dazu gehören:

  • AsciiDoc: AsciiDoc wird für das Schreiben technischer Dokumentationen verwendet und beruht auf DocBook. Sie besitzt trotz hohem Funktionsumfangs eine einfache Syntax, wodurch sie von technischen Redakteuren geschätzt wird.

  • Markdown: Markdown wurde entwickelt, um das Schreiben von Inhalten für das Web schnell und einfach zu gestalten. Sie wird oft in Online-Plattformen, Foren und für die Dokumentation verwendet.

  • reStructuredText (reST): Die Sprache enstand aus der Python Community und wird für deren Dokumentation verwendet. Sie wird wie AsciiDoc hauptsächlich für die Erstellung von technischer Dokumentation verwendet, hat jedoch eine etwas ungewöhnlichere Syntax.

Einen ausführlicheren Vergleich zwischen AsciiDoc, Markdown, LatTeX und reStructuredText finden Sie in unserem Blog.


Wann nutzen Sie welches Konzept?

Doch wann nutzen wir nun welchen Ansatz? Wie so häufig gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort. Es hängt eher von Ihren Zielen ab. Dennoch gibt es eine Daumenregel: Je länger Ihr Dokument, desto sinnvoller sind Auszeichnungssprachen.

Wann brillieren WYSIWYG Editoren?

WYSIWYG-Editoren eignen sich hervorragend für kurze, wenig komplexe Dokumente. Sie sind intuitiv bedienbar, wodurch wenig bis keine Einarbeitungszeit benötigt wird. Dies macht sie ideal für Anwender mit geringeren technischen Kenntnissen. Inhalte können visuell gestaltet und angepasst werden, ohne dass Sie den zugrunde liegenden Code verstehen müssen.

Wann sind Auszeichnungssprachen besser?

Sobald die Dokumente jedoch länger werden, sind WYSIWYG-Editoren schnell instabil. Auszeichnungssprachen hingegen ermöglichen es Ihnen lange, komplexe Texte (z.B. technische Dokumentationen) effizient zu erstellen. Darüber hinaus weisen Sie mehrere Vorteile auf:

1. Mehrere Ausgaben aus einem Dokument erstellen:

Sie verfassen ein einziges Dokument und erstellen daraus verschiedene Ausgaben. Diese Ausgaben können sich in Inhalt (Was steht im Text?), Format (Welches Dateiformat hat die Ausgabe?) und Stil (Wie soll die Datei in der Ausgabe aussehen?) unterscheiden. Das Konzept dahinter ist die sogenannte Einzelquellenausgabe (Single Source Publishing). WYSIWYG-Editoren unterstützen dieses Konzept nicht. Hier müssten Sie für jede Ausgabe manuell ein eigenes Dokument erstellen.

In Auszeichnungssprachen hingegen benötigen Sie nur ein einziges "Master-Dokument" Auf dessen Basis können Sie Inhalte ein- oder ausblenden und individuelle Formate und Stile je Ausgabe definieren. Traditionell verwenden Auszeichnungssprachen das Terminal und einen Konverter, um Ihr Dokument in das gewünschte Ausgabeformat zu formatieren. Das geht jedoch auch wesentlich einfacher - erste Tools ermöglichen Ihnen die Ausgabe direkt aus der Anwendung.

2. Dateiverwaltung via Git

Über die letzten Jahre ist das Konzept "Docs as Code" populärer geworden. Nach dieser Philosophie werden Dokumente wie Programmiercode betrachtet und den gleichen Arbeitsschritten unterzogen. Ein wichtiges Element hierbei ist die Versionsverwaltung. Vereinfachte Auszeichnungssprachen wie AsciiDoc, die Dokumente als reine Textdateien erstellen, eignen sich besser für Versionsverwaltungssysteme wie Git. Im Gegensatz dazu werden Word-Dokumente als docx Datei abgespeichert, die auf XML Dateien beruht. Diese Dateien werden in Git als Binärdateien betrachtet, wodurch die Versionskontrolle in Git eingeschränkt ist. Für mehr Informationen zum Einsatz von Docs as Code in Projekten, empfehlen wir einen Blick auf unseren Artikel zu Docs-As-Code.

3. Externe Dateien im Dokument einbetten:

Sie wollen externe Dateien wie Tabellen, Textdateien, Code-Snippets und Bilder in Ihr Dokument einbinden? In WYSIWYG-Editoren werden sie in der Regel nur in Ihr Dokument kopiert. Im Gegensatz dazu integrieren Sie die Dateien in Auszeichnungssprachen wie AsciiDoc dynamisch in Ihr Dokument. Die Datei wird ein Teil des Dokuments, bleibt jedoch zeitgleich eine eigenständige Datei. Wenn Sie die Datei innerhalb Ihres Dokuments ändern wollen, wird sie überall aktualisiert. Sie arbeiten also stets mit der neuesten Version - egal ob im Dokument oder außerhalb.


Fazit

WYSIWYG-Editoren sind für einfache, kurzfristige Texte sinnvoll. Sie wollen komplexere, längere Dokumente erstellen? Dann sind Auszeichnungssprachen klar im Vorteil. Sie erstellen verschiedene Ausgaben aus einem Dokument. Das vereinfacht Ihren Arbeitsprozess, macht Sie effizienter und Sie (und ggf. Ihr Team) arbeiten in einer einzigen Version des Dokuments. Dazu können Sie Änderungen in Git protokollieren, da die Dokumenten als reiner Text abgespeichert werden. Außerdem sind alle weiteren Dateien, die dem Dokument beigefügt worden, stets aktuell.

Welche Auszeichnungsprache Sie jedoch wählen, hängt von Ihrem Einsatzgebiet ab. Als technischer Schreiber raten wir Ihnen beispielsweise zu AsciiDoc. Die Sprache hat eine einfache Syntax und dennoch einen hohen Funktionsumfang. Wie das im Detail aussehen könnte, finden Sie in diesem Blogeintrag, in dem wir ein beispielhaftes Nutzerhandbuch in AsciiDoc erstellt haben. Testen Sie in diesem Zug doch direkt unsere Software adoc Studio aus. Erstellen Sie AsciiDoc Dokumente direkt in einer grafischen Benutzeroberfläche und lassen Sie Ihre Texte ohne Terminal oder Konverter direkt über die App ausgeben. Technische Dokumente zu erstellen, war noch nie so einfach.


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